Gegen den Missbrauch der Musik, der Weihnachsstimmung und des Kirchenraumes für Militär-Sympathiewerbung!

Gegen das Militär-Weihnachts-Konzert, das am Di., 18. Dez. 2018 in der Leonhardskirche, Stuttgart-Mitte, stattfindet. Protest ab 18.30 Uhr.

Am Dienstag, 18.12.2018, in 70182 Stuttgart, Leonhardskirche, Veranstalter: Landeskommando Baden-Württemberg, Kontakt: pressestellelkdobw@bundeswehr.org.  Um 18.30 Uhr beginnt unsere Kundgebung (Beginn des Militärspektakels um 19.30 Uhr). Zum wiederholten Mal wird das Heeresmusikkorps der Bundeswehr aus Ulm in Stuttgart zur Adventszeit aufspielen. Mit Posaunen und Trompeten soll der friedlichen Weihnachtszeit ein guter Schuss Flecktarn verpasst werden und die Botschaft ausgesendet werden, das die Bundeswehr eine tolle Truppe sei. Mit Steuergeldern in Millionenhöhe musizieren die Kameraden mit Flöte in Uniform dann so manche fromme Botschaft. Wir haben die Wir haben das Militär-Kirchen-Konzert erfolgreich aus der Cannstatter Lutherkirche vertrieben. Aber jetzt hat sie sich in der Leonardskirche (Stuttgart-Mitte, Bohnenviertel) eingenistet. Wir protestieren nun im 4. Jahr (seit Dez 2015) gegen den Missbrauch des Kirchenraumes und der Weihnachsstimmung für Militär-Image-Werbung. Die Bundeswehr ist mit über 2.000 Konzerten im Jahr und ihren Blasmusikern die größte Arbeitgeberin für Orchestermusiker – so mancher zivile Chor würde sich über wenige hundert Euro staatliche Zuwendung freuen. Vor der Fassade von Kultur und friedlicher Weihnachtsstimmung will auch in Stuttgart die Bundeswehr dieses Jahr wieder profitieren. Was soll schon schlimm daran sein, steuerfinanziert in Uniform ein paar Lieder in der Öffentlichkeit zu trällern und den friedlichen Advent zu besingen? Afghanistan, Irak, Mali, Mittelmeer, Marokko, Somalia, Horn von Afrika, Sudan, Südsudan, Libanon, Syrien, Kosovo, Tunesien, Libyen ... alle diese sinnlosen (schädlichen) Bundeswehr-Einsätze will man vergessen machen: überspielen, übersingen, übertünchen, überbeten. Liebe Demonstrant/innen, bitte bringt Kerzen und leere Gläser mit, damit wir vor der Kirche eine Lichterkette oder ein "Peace Zeichen" aus Kerzen aufstellen können.


Rückblick: Unser Protest gegen das Militär-Advent-Konzert am Dienstag, 5. Dezember 2017, um 18 Uhr, in Bad Cannstatt, Evang. Lutherkirche

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Unser Flyer gegen das Militärkonzert in der Lutherkirche im Advent 2017
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Viele Menschen fragen sich: Wie passt die Botschaft vom „Frieden auf Erden“ mit Image-Werbung für das Militär zusammen? Was hätte Jesus dazu gesagt, dass in seinem Haus Militärkonzerte veranstaltet werden? Laut Bundeswehr-Website sind solche Konzerte eine „Brücke zwischen Bundeswehr und Bevölkerung“. Die Absicht: Die Schönheit der Musik und die besondere Atmosphäre der Kirche sollen sich auf die Bundeswehr übertragen. Weihnachtliche Melodien und Gefühle werden für die Bundeswehr-Image-Werbung benutzt. Erinnern wir uns an zwei Weltkriege! Erinnern wir uns an die Fliegerangriffe! Setzt die Kirche dennoch weiterhin auf Rüstung und Militär? Ausgeblendet werden die Gräuel des Krieges. Ausgeblendet wird die Mitschuld unseres Landes an den Kriegen: Waffenexporte, Umweltverschmutzung, Außenhandelspolitik. Ausgeblendet werden die enormen Kosten: 39 Mrd. Euro pro Jahr. Dieses Geld sollte man besser in soziale Projekte und zivile Konfliktlösungen investieren! Unsere Proteste beginnen um 18 Uhr. Waiblinger Str. 50, Cannstatt, Haltestelle Uff-Kirchhoff. 


Protestschreiben richten Sie bitte an

  1. die gewählten Kirchengemeinderät/innen: Adelheid Bäuerle, Rainer Baumann, Horst Fehlauer, Barbara Heidecker, Delia König, Thorsten Kussmann, Hans-Wolfgang Maier, Irmtraud Pulver-Frehse, Birgit Rothfuß , Renate Sautter, Martin Thran und Mirjam Wahl (Adressen siehe Telefonbuch oder www.google.de)
  2. Pfr Dr. Ulrich Dreesman, pfarramt.lutherkirche.seelberg@elkw.de
  3. Dekan Eckart Schultz-Berg, Wilhelmstr. 8, 70372 Stuttgart, Tel. 0711/54 99 73 60, mail Dekanatamt.Bad-Cannstatt@elkw.de

REDE AM 5.12.2017 VOR DER LUTHERKIRCHE IN BAD CANNSTATT:

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,

In den letzten Wochen habe wir öfters Mobilisierungsflyer für unseren heutigen Protest verteilt. Dabei bekamen wir oft zu hören: „Die machen doch nur Musik.“
Und ich frage: „Machen die nur Musik?“ Die Antwort muss klar und entschieden lauten: NEIN.
Wer hier in der Luther-Kirche, in der Öffentlichkeit „nur“ Musik macht, ist nicht irgendein harmloser Musikverein, sondern die Bundeswehr. Deren Hauptgeschäft ist normalerweise nicht das Musizieren. Man trifft sie auch eher mit Gewehren, Raketen oder in Tornados an als mit Musikinstrumenten in der Kirche. Ja heute will die Bundeswehr die Gewehre gegen den Heiligenschein austauschen! Heute spielen sie nicht Marschmusik, sondern Adventsmusik. Die Adventszeit ist für die Christen mit der Botschaft von Frieden und Nächstenliebe verbunden.
Als Überbringer dieser Botschaft ist das Militär denkbar ungeeignet!

Die machen doch nur Musik? NEIN, die machen nicht nur Musik!
Wenn Soldaten in Uniform in der Öffentlichkeit auftreten, dann transportieren sie ein Bild. Dann steht da nicht Max Müller, sondern der Vertreter der Bundeswehr. Was er tut, wie er sich darstellt, färbt auf die Bundeswehr ab. Die weihnachtliche Stimmung soll sich auf die Bundeswehr übertragen, ihr ein Image von Friedfertigkeit und Verbundenheit mit der Bevölkerung geben. Doch wie verbunden mit der Bevölkerung ist diese Armee? Eine Armee mit Spezialeinheiten, wie z.B. das in Calw stationierte Kommando Spezialkräfte? Eine Armee mit hochspezialisierten Berufssoldaten, deren Aktivitäten in Auslandseinsätzen alles andere als transparent sind. Eine Armee, die immer wieder durch rechtsextremistische Vorfälle in ihren Reihen in die Schlagzeilen kommt. Heute Abend will sich die Bundeswehr ein Image geben, das der Realität dieser „Armee im Einsatz“ ganz sicher nicht entspricht.
Und noch etwas wird bezweckt: Die Bevölkerung soll wieder zunehmend an Uniformen, an militärische Symbolik im öffentlichen Raum gewöhnt werden. Militär und militärisches Denken sollen wieder allgegenwärtig, sollen wieder selbstverständlich werden. Haben zwei Weltkriege mit Millionen von Toten nicht gezeigt, wohin militärisches Denken führt? Haben die unsäglichen Militäreinsätze in Libyen, im Irak oder Afghanistan nicht gezeigt, dass Frieden nicht mit kriegerischen Mitteln erreicht werden kann? Dass es keine militärischen Konfliktlösungen geben kann?
Das Militär hat noch keine Probleme gelöst! Das Militär ist das Problem!

Die machen doch nur Musik? NEIN, die machen nicht nur Musik!
Man muss den gesamten Kontext betrachten. Dieses Konzert findet statt vor dem Hintergrund, dass die Bundeswehr mit derzeit etwa 3.500 Soldaten in 14 Ländern weltweit im Einsatz ist. Dazu zählen übrigens nicht die etwa 5000 Soldaten, die als Drohpotenzial an Manövern vor der russischen Grenze beteiligt sind. Und für diese Auslandseinsätze, die nach Umfragen von der Bevölkerungsmehrheit abgelehnt werden, werden immer mehr gut ausgebildete Berufssoldaten benötigt. Doch die Bundeswehr hat bekanntlich ein Rekrutierungs- und Imageproblem. Deshalb sind im Verteidigungshaushalt jährlich 35,3 Millionen für Werbekampagnen vorgesehen. Dafür wurde extra die Werbeagentur Castenow beauftragt, die sich sonst u.a. für McDonalds, Super RTL oder die Targobank ins Zeug legt. Geworben wird mit Kampagnen wie „Mach, was wirklich zählt“ für 10,6 Mio Euro, der youtube-Serie „Die Rekruten“ für 7,9 Mio Euro und aktuell mit der Nachfolgeserie „Mali“ für etwa 6 Mio Euro, bei der Auslandseinsätze quasi als Abenteuerurlaub verkauft werden. Oder dem jährlich stattfindenden „Tag der Bundeswehr“ (etwa 2,7 Mio Euro), bei dem dann auch mal kleine Kinder auf einem Panzer rumturnen dürfen.
Auch die Kooperationsvereinbarung zwischen der Bundeswehr und der olivgrün-schwarzen Landesregierung ist ein Skandal. Mit dieser Vereinbarung erhalten sogenannte Jugendoffiziere einen privilegierten Zugang zu Bildungseinrichtungen, um z.B. in Schulen für die Bundeswehr zu werben.
Der „Beutelsbacher Konsens“, an den sich Lehrer zu halten haben, verbietet es, „Schüler - mit welchen Mitteln auch immer - im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der, Gewinnung eines selbständigen Urteils' zu hindern.“  „Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen.“
Es darf bezweifelt werden, dass sich ein Jugendoffizier der Bundeswehr tatsächlich daran halten wird. Kritische Stimmen kommen auch aus der GEW und von Kinderrechtsorganisationen.
Die Zielgruppe dieser Kampagnen sind die 16 bis 29jährigen. 7% aller jährlich eingestellten Rekruten sind mittlerweile minderjährig. Das entspricht einer Anzahl von 1500 minderjährigen Rekruten im Jahr, die theoretisch auch an Auslandseinsätzen teilnehmen dürfen. Ab 18 Jahren sind auch Einsätze mit Waffen möglich. Die Bundeswehr präsentiert sich als attraktiver Arbeitgeber, der u.a. junge Menschen, die sonst von Arbeitslosigkeit bedroht sind, rekrutieren will.
Wir sagen: Die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie andere!
Bundeswehr raus aus den Schulen! Keine Werben fürs Sterben!

Die machen doch nur Musik? NEIN, die machen nicht nur Musik!
Nein, die machen Werbung. Und wer Werbung macht, der stellt die Wirklichkeit so dar, wie es für ihn günstig ist. Negatives wird ausgeblendet, wird bewusst weggelassen.
Ausgeblendet wird die zunehmende Anzahl von Posttraumatischen Belastungsstörungen, mit denen viele Soldaten schwer traumatisiert aus Auslandseinsätzen zurückkommen. Waren es im Jahr 2008 noch 245 Bundeswehrsoldaten, die wegen Posttraumatischer Belastungsstörungen behandelt wurden, so waren es 5 Jahre später 1100 Fälle und 2015 schon 1750! Insgesamt wird davon ausgegangen, dass jeder fünfte Soldat nach dem Einsatz mit irgendeiner Form psychischer Beeinträchtigung zu kämpfen hat.
Soll dem der kirchliche Segen erteilt werden?
Seit 1992 sind 108 Soldaten der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommen, davon allein 57 in Afghanistan. Jeder dritte Tote kam durch direkte Kampfhandlungen ums Leben.
Soll dem der kirchliche Segen erteilt werden?
Als Konfliktlösungen werden in den Werbe-Kampagnen natürlich militärische Lösungen präsentiert. Statt Milliarden für Rüstung und Auslandseinsätze auszugeben, sollte das Geld lieber in Entwicklungshilfe, die diese Bezeichnung auch tatsächlich verdient, investiert werden. Eine Weltwirtschaftsordnung, die es den reichen Industrieländern erlaubt auf Kosten der „armen“ Länder zu leben, wird zu immer neuen Konflikten und Kriegen führen, die dann angeblich militärisch „befriedet“ werden müssen.
Militäreinsätze treffen auch immer die Zivilbevölkerung, dabei wird auch zivile Infrastruktur zerstört, verlieren Frauen und Kinder ihr Leben. Auch diese sogenannten „Kollateralschäden“ sind Flucht-ursachen.
Soll dem der kirchliche Segen erteilt werden?

Die machen doch nur Musik? NEIN, die machen nicht nur Musik!
Was die Bundeswehr macht, kostet richtig Geld. Im Haushalt 2017 sind fürs Militär 37 Milliarden Euro vorgesehen, knapp 2 Milliarden mehr als im vergangenen Jahr. Auf der anderen Seite verrotten Schulgebäude, sind Krankenhäuser chronisch unterfinanziert, fehlen bezahlbare Wohnungen, leben viele an der Armutsgrenze.
Will die Kirche dem ihren Segen erteilen? Was könnte mit dem Geld nicht alles Sinnvolles angefangen werden?!
Mehr Geld für die Daseinsvorsorge und Soziales, statt für Rüstung und Militäreinsätze!

Derzeit gibt Deutschland 1,2% des Bruttoinlandproduktes für die sogenannte Verteidigung aus. Jetzt fordern Militär und Rüstungsindustrie, dass Deutschland - entsprechend der Nato-Vorgabe - die Militärausgaben auf 2% des BIP erhöhen soll. Bei einem angenommenen Wirtschaftswachstum von zwei Prozent pro Jahr müsste Deutschland im Jahr 2024 dann mehr als 75 Milliarden Euro für Verteidigung ausgeben. Dies würde einer jährlichen Steigerung der Ausgaben um fast zehn Prozent entsprechen. Deutschland gäbe dann mehr Geld fürs Militär aus als Russland, das sonst gerne zur Rechtfertigung weiterer Aufrüstung angeführt wird! (Russland 2015: 59 Mrd. Euro) Deutschland wäre dann allein aufgrund seiner ökonomischen Stärke auch die militärische Führungsmacht in Europa. Auch mit Blick auf die deutsche Geschichte sollte das nachdenklich stimmen.

Die machen doch nur Musik? NEIN, die machen nicht nur Musik!
Nein, das Kerngeschäft der Bundeswehr ist ein anderes.
Bereits in den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“ von 1992 wurde als eine Aufgabe der Bundeswehr die „Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt" benannt. Und im aktuellen „Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr“ von 2016 liest man: „Prosperität unseres Landes und Wohlstand unserer Bürgerinnen und Bürger hängen auch künftig wesentlich von der ungehinderten Nutzung globaler Informations-, Kommunikations-, Versorgungs-, Transport und Handelslinien sowie von einer gesicherten Rohstoff- und Energiezufuhr ab.“ Die Bundeswehr soll also mit militärischen Mitteln deutsche Wirtschaftsinteressen durchsetzen. Man fragt sich nur: mit welchem Recht? Mit welchen Folgen, mit wie vielen Opfern?
Da wundert es auch nicht, dass ausgerechnet dort, wo es bedeutende Rohstoffvorkommen gibt oder wichtige Transportrouten verlaufen, Konflikte entstehen und Menschenrechtsverletzungen entdeckt werden, wo man angeblich nicht tatenlos zusehen kann. Afghanistan beispielsweise könnte Dank seiner reichen Lithium-Vorkommen zu einem „Saudi-Arabien des Lithiums“ werden. Auch seine geostrategisch wichtige Lage und die Erdgasvorkommen im Norden Afghanistans machen das Land attraktiv. Mali liefert Uran für französische Kernkraftwerke. Im Sudan gibt es Öl, außerdem grenzt es an die rohstoffreiche Demokratische Republik Kongo mit umfangreichen Vorkommen an Kupfer, Kobalt und Coltan. Somalia und das Horn von Afrika liegen an bedeutenden Handelsrouten. Alles auch Einsatzorte der Bundeswehr. Bei der Aufteilung der Rohstoff-Ressourcen wird mal wieder auf die militärische Karte gesetzt. Wohin das führt, haben zwei Weltkriege gezeigt.
Die Forderung kann nur lauten: Sofortige Beendigung aller Auslandseinsätze!

Ja, die machen nicht nur Adventsmusik. Die eigentliche Musik der Bundeswehr ist Marschmusik – und die wird woanders gespielt.

Was hindert daran, der Bundeswehr zukünftig keine Werbeplattform mehr in der Lutherkirche zu geben? Fühlt man sich der Tradition als ehemaliger Garnisonskirche immer noch verpflichtet? Wäre es dann nicht an der Zeit endlich mit dieser Tradition zu brechen?
Beim diesjährigen Kirchentag wurde eine Resolution mit dem Titel „Mehr Verantwortung für den Frieden“ beschlossen. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, an den UN-Verhandlungen zur Ächtung von Kernwaffen teilzunehmen und diese nicht wie bisher zu boykottieren. Auch fordert der Kirchentag den Abzug der Atomwaffen aus dem US-Atomwaffenlager in Büchel.
Ist diese Kirchentagsresolution für die Lutherkirche bedeutungslos?
Der diesjährige Friedensnobelpreis wurde an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (ICAN) vergeben.
Wäre das nicht Anlass genug, sich ebenfalls für Frieden, Abrüstung und zivile Konfliktlösungen einzusetzen, anstelle weiterhin der Militarisierung des öffentlichen Raums Vorschub zu leisten?
Kirchenmusik hat in der Lutherkirche sehr schöne Seiten, da passt dieser Schandfleck heute Abend wirklich nicht dazu!
Wäre es nicht vernünftiger, in der Lutherkirche anstelle dieses unsäglichen Militär-Adventskonzertes lieber ein Friedenskonzert für eine Welt ohne Militär und Atomwaffen zu veranstalten?

Wir fordern: Keine Militarisierung des öffentlichen Raums!
Bundeswehr raus aus Kirchen, Schulen, Bildungsmessen!


Rückblick: 1.Dez 2016, Militärkonzert in der Lutherkirche Bad Cannstatt. Wir pfeifen darauf! Keine Militärwerbung im Gotteshaus !!!

Am 1.12.2016 hat wieder ein Bündnis aus Christ/innen und linken Gruppen gegen die musikalische Militärwerbung in der Lutherkirche protestieren. Wir waren etwa 50 Personen. Die Militärfreunde haben sich über uns geärgert.

Unser Flyer für 1.Dez 2016:

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Kopie der Bundeswehr-Website:

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Wir, Mitglieder der großen Kirchen, meinen: Der Geist des Militärs passt nicht mit dem Geist des Friedefürsten zusammen. Militärwerbung im Haus des Herrn ist - wenn man es genau betrachtet -Gotteslästerung.

Gegen den Missbrauch unserer Kirche für Bundeswehr-Werbung!
Gegen den Missbrauch der Religion zur Kriegs-Unterstützung!
Gegen den Missbrauch von Musik für militärische Werbezwecke!

  • Was hätte Jesus dazu gesagt, wenn er gewusst hätte, dass in seinem Hause Militärkonzerte veranstaltet werden?
  • Wie passt die Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden zusammen mit Sympathiewerbung für das Militär?
  • Haben wir in Stuttgart nicht genug Fliegerangriffe, Krieg und Bomben erlebt? Warum unterstützen wir die Bundeswehr, die solche Angriffe im Ausland (Syrien, Irak, Mali) unterstützt?
  • Muss erst noch ein weiterer Krieg kommen, bevor die evangelische Kirche sich vom Militär abwendet?

Die Lutherkirche verliert ihren guten Ruf wegen der Kriegs-Werbung.

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EAK-AGDF Bundeszentrale - zweite Pressemeldung gegen Militärkonzerte in Kirchen
2015-08 EAK AGDF MilMus PM neu.pdf
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Stuttgart, Königsstraße, am Ende des 2. Weltkrieges. Muss erst ein dritter Weltkrieg kommen, bevor die Lutherkirchengemeinde umkehrt - und sich abwendet von Militär und Krieg?
Stuttgart, Königsstraße, am Ende des 2. Weltkrieges. Muss erst ein dritter Weltkrieg kommen, bevor die Lutherkirchengemeinde umkehrt - und sich abwendet von Militär und Krieg?

PRESSEBERICHTE:

  1. Stuttgarter Tagblatt online - zum Artikel
  2. STUTTGARTER NACHRICHTEN vom 11.11.2015 - zum Artikel
  3. CANNSTATTER Zeitung vom 13.11.2015 - zum Artikel 
  4. Mühlacker Tagblatt vom 11.11.2015 - siehe unten
  5. Esslinger Zeitung - zum Artikel
  6. Südwestpresse vom 27.11.2015 - zum Artikel
  7. Stuttgarter Nachrichten vom 3.12.2015 - zum Artikel

Verantwortlich für die Militär-Advents-Konzerte ist der  Kirchengemeinderat der Luthergemeinde, in dem diese 14 Personen sitzen: Adelheid Bäuerle (Stv. Gesamt-KGR), Rainer Baumann, Pfarrer Dr. Ulrich Dreesman, Horst Fehlauer, Barbara Heidecker (Stv. Gesamt-KGR), Delia König, Thorsten Kussmann (Kreissynode), Hans-Wolfgang Maier, Pfarrer Gerd Mohr, Irmtraud Pulver-Frehse, Birgit Rothfuß (2.Vors. KGR, Gesamt-KGR, Hauptausschuss), Renate Sautter, Martin Thran, Mirjam Wahl.

 

Mühlacker Tagblatt, 11.11.2015, zum Vergrößern anklicken!
Mühlacker Tagblatt, 11.11.2015, zum Vergrößern anklicken!
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RÜCKBLICK: Unser Flyer gegen Militärmusik-Adventskonzert 02.12.2015 Lutherkirche Cannstatt
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Was hat Jesus getan, als er gesehen hat, dass sein Haus missbraucht wird? Siehe Matthäus 21,12! Das wäre sicher auch heute eine sinnvolle Form des Protestes.
Was hat Jesus getan, als er gesehen hat, dass sein Haus missbraucht wird? Siehe Matthäus 21,12! Das wäre sicher auch heute eine sinnvolle Form des Protestes.

Rückblick: Unser Protest gegen das Weihnachts-Militärkonzert in der Evangelischen Lutherkirche 2015

  1. am Freitag, 27. Nov 2015, 20 Uhr, Podiumsdiskussion. Auf dem Podium: Dr. Dreesmann (Pfarrer, Militärfreund) und Theo Ziegler (Religionspädagoge, Vertreter der christlichen Friedensbewegung).
  2. am Mittwoch, 02. Dez 2015, ab 18 Uhr, deutlich sichtbarer und hörbarer Protest von über 200 Menschen, mit Sambagruppe, mit drei Reden, mit vielen vielen Friedensfahnen rund um die Lutherkirche. 

Adresse: Martin-Luther-Kirche, Waiblinger Str. 50, 70372 Stuttgart



Mein persönlicher Bericht von der Podiumsdiskussion am 27.11.2015:

Es kamen 28 ZuhörerInnen. Eva Funke, die Redakteurin der Stuttgarter Nachrichten, hat ihre Sache gut gemacht. Sie blieb neutral.


Pfr. Dr. Ulrich Dreesmann hat argumentiert: Die Volkskirche ist offen für alle Menschen, auch für SoldatInnen. Die Bundeswehr ist im Vergleich zum Militär anderer Länder harmlos und friedliebend. Die Bundeswehr macht am liebsten Entwicklungshilfe, Hochwasserhilfe und Flüchtlingshilfe. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) steht zwar für Gewaltlosigkeit und gerechten Frieden; aber im äußersten Notfall erlaubt sie den Einsatz des Militärs. Jede Institution darf Werbung für sich selbst machen, auch die Bundeswehr. Aber Militärkonzerte in Kirchen sind sicher keine Werbung, sondern es werden nur Weihnachts-Melodien gespielt. Soweit die Argumente von Pfr. Dreesmann. Seltsam fand ich: Pfr. Dreesmann, Jg. 1969, trug ohne erkältet zu sein den ganzen Abend einen dicken schwarzen Schal. Dazu ein helles Hemd, Jeans und Jackett. Er ist schlank, mittelgroß, erfolgsverwöhnt, spricht hochdeutsch, hat offenbar wenig Zweifel an sich selbst, und wenig Zweifel am Militär.

Theo Ziegler ist bei allen Angriffen ruhig und freundlich geblieben. Er hat argumentiert: Das Militär passt nicht mit Jesus Christus zusammen. Die zentrale Funktion des Militärs, mit Waffengewalt auszuüben und mit Waffen zu drohen, steht der Friednesbotschaft Jesu diametral entgegen. Christen sollen Licht der Welt sein, sanftmütig und barmherzig; sollen Böses mit Gutem beantworten. In der UN-Charta steht als Ziel die Abschaffung von Militär und Krieg. In früheren Jahrhunderten hätte fast niemand geglaubt, dass Demokratie funktioniert. Niemand hätte geglaubt, dass Frauen wählen dürfen. Niemand hätte geglaubt, dass es in Deutschland ohne Todesstrafe geht. Genauso glaubt heute niemand, dass die Bundeswehr abgeschafft wird. Sie wird aber doch abgeschafft werden. Ein Volk, das solche Träume nicht hat, geht zugrunde. Man sollte die 33 Mrd Euro vernünftiger in soziale Projekte, Entwicklungshilfe und zivile Konfliktlösung investieren. Die KSZE / OSZE ist ein gutes Beispiel für friedliche Konfliktlösung. Solaten sind in ihrer Freizeit - wie alle Menschen - herzlich willkommen in der Kirche. Aber nicht als Werbeträger für das Militär. 


Im Publikum saßen ein paar alte Männer aus der Luthergemeinde. Diese alten Männer haben sich daneben benommen, haben immer wieder aggressiv dazwischen gerufen, und haben unseren Redner mehrmals wüst unterbrochen. Ich als Frau fand diese alten Männer sehr abstoßend. Ist das die Nächstenliebe, von der immer gepredigt wird? Ist das das Christentum, das in der Luthergemeinde gelebt wird?

 

Im Publikum waren nur drei Mitglieder der DFG-VK. Außerdem waren ein paar skeptische Gemeindeglieder im Publikum. Ein Mann, der in der Luthergemeinde im Posaunenchor spielt, hat gesagt, die Militär-Advent-Konzerte seien aus seiner Sicht "schon subtile Werbung für die Bundeswehr", und er sei eher gegen solche Konzerte. Alle Anwesenden waren sich einig, dass man z.B. einen Infostand der Bundeswehr in der Lutherkirche nicht zulassen würde.

 

Zum Abschluss hat Theo Ziegler auf der Mundharmonika "In dir ist Freude" (EG 398) gespielt. Ulrich Dreesmann hat Luthers Abendsegen gesprochen. Unsere Forderung: Stopp die Militärkonzerte in der Lutherkirche!



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Brief der STIFTUNG FRIEDENSARBEIT an Pfr.Dr. Ulrich Dreesmann mit KGR, sowie die Dekane Eckart Schultz‐Berg und Sören Schwesig, Nov 2015
2015-11-17 Schmitthenner an Dreesmann.pd
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Bundeswehr Website 4.11.2015 Bericht vom Militär-Advent-Konzert 2014 Lutherkirche Bad Cannstatt
2015-10 BW-ws copy Bericht.pdf
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Unselige Tradition lebt wieder auf: Die Lutherkirche war einmal Militär-kirche - und ist es jetzt wieder!

Zitate aus dem Artikel vom 22.11.2010 © Eßlinger Zeitung: "Lutherkirche wird 110 Jahre alt. Bad Cannstatt: Feierliche Einweihung des Gotteshauses war am 25. November 1900. Die evangelische Lutherkirche wird 110 Jahre alt. Dies feiert die Kirchengemeinde am 1. Advent mit einem Festgottesdienst um 10.30 Uhr in der Lutherkirche. Nach zweijähriger Bauzeit ist vor 110 Jahren die Lutherkirche im Jahr 1900 mit einem großen Festtag in Anwesenheit von König Wilhelm II. und Königin Charlotte eingeweiht worden. Der König war zugleich der Bischof der Evangelischen Kirche in Württemberg, wie Pfarrer Hans Bodmer erklärt. Diese neue Kirche war neben einer Gemeindekirche auch Garnisonskirche, da Cannstatt auch Garnisonsstadt war. Diese zusätzliche Kirche war dringend notwendig geworden, da die Bevölkerungszahl stark angestiegen war und die Stadtkirche an Festtagen die vielen Besucher nicht mehr fassen konnte... Die Einweihung der Kirche fand am 25. November 1900 statt. Das neue Bauwerk erhielt den Namen Lutherkirche, wie damals viele neu erbauten Kirchen nach Luther benannt wurden. Zudem sei Überlieferungen zufolge Martin Luther 1512 auf der Rückreise von Rom durch Cannstatt gekommen und habe die Gastfreundlichkeit der Schwaben gerühmt. ... 1930 wurde das Gemeindehaus gebaut. Im Februar 1944 wurde die Lutherkirche bei Luftangriffen im Krieg getroffen, Chor und Sakristei wurden zerstört und wieder aufgebaut.
Zahlen und Fakten: Das Hauptschiff ist 13,50 Meter breit und 24 Meter lang und das Seitenschiff ist 7,50 Meter breit. Es wurden 750 feste Sitzplätze gebaut, auf der Empore 355. 1924 wurden noch mehr Bänke aufgestellt und über 100 Klappstühle angeschafft, so dass 1300 Personen sitzen können."


Dieses youtube-Video enthält zwar "verkürzte Kapitalismuskritik". Aber dieses Video enthält auch viel Richtiges.

Der Protest kommt mitten aus der evang. Landeskirche Württemberg:

Pfarrer Reinhard Hauff, aus Heiningen bei Göppingen, gegen Militär-Musik-Konzerte in Kirchen. Interview in der Jungen Welt 2013.
Pfarrer Reinhard Hauff, aus Heiningen bei Göppingen, gegen Militär-Musik-Konzerte in Kirchen. Interview in der Jungen Welt 2013.