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DNN, 2.5.2014: "Versöhnliche Worte, doch keine Versöhnung"

Protest gegen Gottesdienst mit Bundeswehr-Beteiligung vor und in der Frauenkirche sowie bei anschließender Diskussion


„Alle stört, wenn der Eindruck entsteht, dass sie es nicht gut meinen.“ Mit diesem Satz endete am Mittwochabend (vorläufig) der Streit um den Gottesdienst in der Frauenkirche, bei dem die Bundeswehr im Mittelpunkt stand. Frank Richter hat ihn gesagt. Der Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung moderierte am späten Abend eine Diskussion, in der es um das Für und Wider des Gottesdienstes ging.


Mehr als 100 Menschen trafen sich dazu nach der heftig umstrittenen Veranstaltung. Der rund eineinhalbstündige Gottesdienst selbst verlief störungsfrei – abgesehen von einer kurzen Protestaktion unmittelbar vor dem Beginn. Heftige verbale Auseinandersetzungen waren der Veranstaltung in den vergangenen Wochen vorausgegangen. Die „Stiftung Frauenkirche“, die Bundeswehr und Innenminister Markus Ulbig (CDU) stellten die Erinnerung an gemeinsam Geleistetes beim Hochwasser 2013 und den Dank für den damaligen Militäreinsatz in den Mittelpunkt.


Die Gegner des Gottesdienstes kritisierten die unmittelbare Beteiligung einer Militäreinheit, des Wehrbereichsmusikkorps III aus Erfurt. Sie forderten: „Keine Militärmusik in Kirchen!“. Das sei Werbung für das Militär. Die Bundeswehr, „die an völkerrechtlich umstrittenen Militäreinsätzen ... beteiligt war“, dürfe nicht in einer Kirche auftreten. Mehrere Hundert Menschen besuchten den Gottesdienst. Sie wurden auf dem Neumarkt von einigen Dutzend Protestierern empfangen. In der Kirche selbst meldeten sich wenige Minuten vor Gottesdienstbeginn zwei junge Frauen in FDJ-Hemden zu Wort. „Bundeswehr raus aus diesem Haus!“ und „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!, riefen sie unter anderem. Dann wurden sie aus dem Gotteshaus herauskomplimentiert.

Frauenkirchenpfarrer Sebastian Feydt erinnerte später im Gottesdienst an den Wiederaufbau der Kirche. Der Kontrast zwischen den neuen, hellen und alten, dunklen Steinen verblasse mit fortschreitender Zeit. Dies können man als Zeichen dafür verstehen, „dass es kein Schwarz und kein Weiß gibt“, ging er auf den Streit um den Gottesdienst ein. „Versöhnung lässt Menschen in Frieden zueinander finden“, sagte Feydt weiter, auch mit Blick auf die Aufgaben der Bundeswehr.


Oberst Michael Knop, der Kommandeur des  Landeskommandos Sachsen, erklärte, die Friedenserhaltung sei Richtschnur des Handelns der Bundeswehr. „Zuallererst bedarf es des Friedens zur Erhaltung der Menschenwürde“, nahm er Bezug auf die Verfassung. Dass Musik einer Bundeswehreinheit und Inhalt und Ablauf eines Gottesdienstes zueinander passen können, machte später eine Besucherin am gemeinsamen Musizieren mit Frauenkirchenorganist Samuel Kummer fest.


Er spielte mehrere Stücke zusammen mit dem Musikkorps, geistliche Lieder ebenso wie den ersten Marsch aus Edward Elgars „Pomp and Circumstance“, der auch als englische Regionalhymne gilt. Das Korps selbst hatte neben geistlicher Musik, unter anderem einem Satz von Johann Sebastian Bachs „Jesus bleibet meine Freude“, auch Weltliches im Programm. Dazu gehörte der einst für Louis Armstrong geschriebene Song „What a wounderful world“, den das Musikkorps gemeinsam mit der Sopranistin Anja Augustin aus Erfurt vortrug.

Diese womöglich versöhnlich gemeinten Töne änderten nichts an der Unversöhnlichkeit, mit der später die verbale Auseinandersetzung um den Gottesdienst geführt wurde. „Der Frieden kam in schweren Schuhen“, kritisierte der Greifswalder Dompfarrer Matthias Gürtler den Auftritt der Uniformierten in der Kirche. Gürtler hat die Protesterklärung „Keine Militärmusik in Kirchen!“ mitunterzeichnet.

Wer Militärmusik in Kirchen zulassen, gebe seine Zustimmung zu militärischer Gewalt, ist er überzeugt. Pfarrer Feydt widersprach Gürtler: „Es ist nicht lauter, zu behaupten, dass in der Frauenkirche Militärmusik gespielt wurde“. Innenminister Markus Ulbig bekräftigte seine Zustimmung zu dem Gottesdienst, räumte aber ein, dass sein Signet auf der Einladung ein Fehler war. Es sei natürlich nicht Sache des Innenministers, zu einem Gottesdienst einzuladen, sagte Ulbig.


„Man hätte vielleicht vorher über diesen Gottesdienst sprechen sollen“, gab schließlich ein Teilnehmer der abendlichen Diskussionsrunde zu bedenken. Moderator Frank Richter äußerte letztlich die Hoffnung, dass das Ende des Abends nicht zugleich das Ende der Diskussion war.


KOMMENTAR


Eine zweite Chance für die Bundeswehr


Menschen in Uniformen sind auch in Kirchen willkommen. Jedenfalls in solchen Uniformen, die zu Institutionen eines demokratischen Staates gehören. Selbst die Tatsache, dass die Bundeswehr in einem Gottesdienst mitwirkt, kann man akzeptieren. Jedenfalls, solange die Uniformträger nicht als Veranstalter auftreten und sich den Gepflogenheiten anpassen. Kraftmeierei ist aber fehl am Platze. Verbale ebenso wie musikalische. Insofern war der Gottesdienst zwar nicht gänzlich falsch, ist aber doch misslungen. Denn der Ton macht die Musik. Und die Töne waren letztlich doch militärisch. Zackig beim Psalm. Effektheischend beim musikalischen Vortrag. Und damit  unangemessen. Einer neuen Chance darf aber nichts im Wege stehen.

 

DNN, 2.5.2014, von CHRISTOPH SPRINGER, c.springer@dnn.de


Bild-Unterschrift: Die FDJ-Hemden sollten wohl provozieren, die jungen Frauen protestierten Minuten vor dem Gottesdienst gegen die Veranstaltung. Foto: Dietrich Flechtner


[Anmerkung der Initiative "Musiker gegen Militärmusik": Mit den Frauen, die FDJ-Hemden trugen, haben wir nichts zu tun; das haben wir nicht organisiert.]