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Neuer Flyer: "Gegen die Zusammenarbeit von Kirche und Militär"
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»Keine Werbeplattform für das Militär« - Bundeswehr in der Weihnachtsoffensive: Dutzende Adventskonzerte in Kirchen geplant. Nicht alle Christen sind begeistert.

Interview in "Junge Welt" vom 30.11.2013, Seite 2, mit Pfarrer Reinhard Hauff, Heiningen. Die Fragen stellte Frank Brendle.


Junge Welt: Auf der Homepage »Militärseelsorge abschaffen « wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Musikkorps der Bundeswehr in den nächsten Wochen zuhauf Konzerte in Kirchen veranstalten. Die Bundeswehr selbst listet mindestens 47 Konzerte im Dezember auf. Was sucht das Militär ausgerechnet in Kirchen?

Hauff: Diese Konzerte gibt es schon länger, aber nach Aussetzung der Wehrpflicht und angesichts gravierender Probleme, von Drohnen bis hin zum Einsatz in Afghanistan, steckt die Bundeswehr in einer Legitimationskrise. Da sind solche Konzerte als Werbeveranstaltungen willkommen. Die Bundeswehr bezeichnet Militärmusik als »Ausdruck soldatischen Empfindens«.


Junge Welt: Was empfinden Sie bei Pfarrern, die ihre Kirchen dafür hergeben?

Hauff: Das ist für mich ganz unverständlich. Militäreinsätze haben ja noch nie etwas Gutes gebracht. Aber unter Pfarrern und Gemeindeaktiven finden sich alle Positionen, die es auch sonst in der Gesellschaft gibt, da ist die Kirche, sowohl die katholische als auch die evangelische, ein Spiegel der Gesellschaft. Ich bin mir sicher, daß in meiner Gemeinde keiner auf die Idee käme, ein Militärmusikkorps einzuladen, aber anderswo sind die Gemeinden viel konservativer.


Junge Welt: Wer entscheidet eigentlich darüber, ob die Bundeswehr aufspielt?

Hauff: In der katholischen Kirche kann das, soviel ich weiß, der Pfarrer selbst entscheiden, in der evangelischen muß grundsätzlich der Kirchengemeinderat entscheiden. Da lassen sich dann auch kritische Fragen stellen.


Junge Welt: Wie demonstriert man denn in einer Kirche am besten?

Hauff: Kommt darauf an, was man erreichen will. Wenn man in der Kirche einfach stört, könnte das vielleicht zum Eigentor werden. Zuerst könnte man mit dem Pfarrer oder Mitgliedern des Kirchengemeinderates diskutieren, ob die Kirche eine Werbeplattform für die Bundeswehr sein soll. Ansonsten empfehle ich das gute alte Flugblatt, das man vor dem Eingang verteilt, und auf dem man kurz und knackig darstellt, vielleicht mit ein paar Bibelzitaten, daß kirchliche Positionen nichts mit Militär zu tun haben.


Junge Welt: Haben sie aber doch!

Hauff: Historisch nicht. Christen haben es bis zum vierten Jahrhundert abgelehnt, zu Waffen zu greifen. Erst als das Christentum römische Staatsreligion wurde, ist das christliche Gedankengut vergiftet worden. Durch ihre 1 600jährige Herrschaftsgeschichte in Europa hat sich die Botschaft Jesu häufig ins Gegenteil verkehrt. Aber ursprünglich ist es eine Religionsgemeinschaft, die sich aus Sklaven und Tagelöhnern zusammensetzte und gegen jegliches Herrschaftsgebaren auftrat.


Junge Welt: Was man heute, Stichwort Militärseelsorger, kaum sagen kann …

Hauff: Ja, die werden staatlich bezahlt, in die militärische Hierarchie eingeordnet und tragen im Ausland Uniformen. Ich finde das falsch. Natürlich sollen Soldaten auch eine geistliche Betreuung haben, und die haben sie ja auch in ihren Heimatgemeinden. Aber als Militärseelsorger in Auslandseinsätze mitzugehen, die ja mit Landesverteidigung nichts zu tun haben, das ist vor allem eine Legitimierung dieser Einsätze. Das hat sich leider in der Kirche ganz fest eingenistet und wird so schnell nicht wieder abzuschaffen sein. Außerdem gibt es da ein eklatantes Mißverhältnis: Es gibt mehrere hundert Militärseelsorger, aber nur ganze 20 hauptamtliche Friedensbeauftragte. Das wird leider in der Evangelische Kirche Deutschlands kaum diskutiert, und die Friedensarbeit, die an der Basis läuft, ist eben nicht so spektakulär.


Junge Welt: Haben Sie eigentlich nur als Hausherr einer Kirche etwas gegen Militärwerbung?

Hauff: Nein, ich habe grundsätzlich etwas dagegen, daß die Bundeswehr überhaupt existiert. In kirchlichen wie anderen Organisationen gibt es hervorragende Fachleute für Konfliktprävention und zivile Konfliktbearbeitung. Ein Einsatz dieser Fachkräfte würde dem biblischen Friedensauftrag gerecht, aber stattdessen, und statt Entwicklungsprojekte zu finanzieren, werden dem Militär täglich Milliardensummen geschenkt. Daran zeigt sich: Rüstung tötet, schon im Frieden.

Gegen Militär-Advent-Konzerte in Kirchen! Interview in "Junge Welt" 30.11.2013 mit dem württembergischen Pfarrer Reinhard Hauff
2013-11-30 Hauff in JW gg MilAdvKonz.jpg
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