Mecklenburgische Kirchenzeitung, Nr. 18, vom 4.5.2014

Gottesdienst kein Ort für Imagepflege - Protest gegen Militärmusiker in der Dresdner Frauenkirche

Dresden (epd), Kirchenmusiker und Theologen haben gegen den geplanten Auftritt des Wehrbereichsmusikkorps Erfurt in einem Gottesdienst am 30. April in der Dresdner Frauenkirche protestiert, zu dem Frauenkirchenstiftung, Bundeswehr und Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) eingeladen hatten.

In einem vor zwei Wochen verbreiteten Schreiben werfen sie der Frauenkirchenstiftung und der Bundeswehr vor, "etwas zu veranstalten, das sich theologisch, kirchlich und politisch als bedenklich erweist". In der symbolträchtigen Frauenkirche dürfe die Bundeswehr, die an völkerrechtlich umstrittenen Militäreinsätzen auf dem Balkan und in Afghanistan beteiligt gewesen sei, nicht auftreten. Erstunterzeichner sind 20 Theologen, Kirchenmusiker und Friedensaktivisten, darunter der Greifswalder Domprediger Matthias Gürtler. Unterschrieben hatten bei Redaktionsschluss am Dienstag bereits weitere 800 Personen, z.B. der Liedermacher Gerhard Schöne.

 

Dienstlicher Auftrag der Bundeswehr und Verkündigungsauftrag der Kirche müssten klar und eindeutig voneinander getrennt werden, hieß es in der Protesterklärung weiter. Auch Militärmusiker gehörten zu den Streitkräften. Ein Landeskommando der Bundeswehr dürfe nicht als Mitveranstalter zu einem Gottesdienst einladen. Soldaten könnten jedoch wie jeder andere auch am kirchlichen Leben teilnehmen und Gottesdienste besuchen.

Mit öffentlichen Konzerten sorgten Soldaten des Militärmusikdienstes für gutes Ansehen der Bundeswehr, so die Erklärung. Gottesdienste seien jedoch grundsätzlich kein Ort für derartige Imagepflege und Werbung. Konzerte von Militärmusikkorps liefen Gefahr, "als Traditionspflege und als Werbung für neue kriegerische Aktionen verstanden zu werden".

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